Vor einigen Tagen habe ich ein Interview mit Günter Wallraff gesehen. Er sagte, ein Problem heute sei die Gleichgültigkeit der Gesellschaft, die sich nur durch Schocktherapie erschüttern lässt - natürlich in meinen Worten gesagt. Seine Aktionen sollen das Bezwecken. Es ist schon eigenartig, wie wir reagieren. Sehr lange gleichgültig und dann wieder hoch emotional.
Vor einigen Tagenin der Rundschau am Schweizer Fernsehen wurden zwei empörende Stories geboten - einerseits die hohen Bankerboni, die anscheinend auf Kosten von Steuergelder bezahlt werden und andererseits der Domwurf auf Berlusconi, der nach einer aufhezenden und beschuldigenden Vorwürfen auf die LInken stattfand.
Politik mit Emotionen und Anschuldigungen? Politik der Schuldzuweisungen? Schockieren der Öffentlichkeit mit einem Subjektiven Journalismus?
Es scheinen eine unendliche Zahl solcher Meldungen auf uns einzuprasseln. Ja, die obrigen Ereignisse habe ich eigentlich schon wieder vergessen. Warum lassen wir uns nur noch von solchen Meldungen kurz noch aus unserer Gleichgültigkeit reissen, so kurz, dass eine unemotionale Botschaft einfach an uns abprallen würde?
Woher kommt diese Gleichgültigkeit? Wieso sind wir nicht offen und neugierieg? Dies ist, so glaube ich, ein eigenartiger Nebeneffekt unsers erreichten Wohlstandes. Wir haben so vieles in Überfluss, da wird einem schon einiges Egal - zuviel Essen, zuviel Ware, zu viel Information... Ja aber wir müssen uns auch immer mehr auf das wie halten wir den erreichten Wohlstand konzentrieren. Da ist plötzlich der Arbeitsplatz nicht mehr sicher, da weiss man plötzlich nicht mehr wie die Ferien finanzieren, dort weiss man nicht mehr wie man die Altersvorsore richtig organisieren soll. Man ist so beschäftigt mit sich selbst, dass man nicht mehr für anderes Zeit hat.
Da reden alle von höherer Produktivität, dank Computer, dank Auto und Flugzeug, und es scheint so al ob wir immer weniger von dem haben was nötig ist. Zeit.
Das ist eine Binsenwahrheit, und doch bestimmt diese unser Leben. Vielleicht ist es aber auch eine Gleichgültigkeit, die wir bekämpfen können, vielleicht ist es auch nur eine Frage des Willens, wie sehr wir uns in diese Informations und Aktiviätsmaschinerie hineinsaugen lassen wollen.
Andererseits scheint eine riesige Bürokratie, die Unsummen von Geld verschlingt, durch Ankündigungspolitik und internationale Konferenzen das bestehende System zu retten, in dem jeder nur auf sich selbst sieht. Kopenhagen war wieder ein tolles Beispiel - zu 80% oder mehr ist es gesichert, dass die Klimaerwärmung uns in den nächsten Jahren massiv treffen wird. Die politisch Involvierten in Kopenhagen haben mit grossen Pomp darauf hingewiesen, dass dies die grösste Herausforderung der Menscheit sei. Aber die Handlungen, konkrete Massnahmen, wurden auf morgen verschoben. Vielmehr bot sich die Konferenz für ein Schlagabtausch zwischen Chavez und den USA.
Wir wissen, dass die Erderwärmung probleme bereiten wird. Dies erneut zu wiederholen ist löblich, aber bringt nichts. Zu hoffen, 2010 wird konkrete Ziele bringen, ist blauäugig.
Riesige Bürokratien lähmen uns, halten uns ab, das Wesentiche zu tun.
Um den Wohlstand der Schweiz zu sichern, brauchen wir eine klare Vorstellung, was wir wollen und dann brauchen wir Strukturen, die uns erlauben, danach zu handeln. Diese Strukturen müssen die Geichgültigkeit und die Geschwindigkeit brechen. Sie müssen auch ermöglichen, den Dienst am Staat wieder attraktiv zu machen. Dabei müssen wir die Macht der Bürokratie brechen.
Wir müssen uns von unseren politischen Positionen lösen, und gemeinsam an einer erstrebenswerten Zukunft schaffen. Was ist noch aktuell, was ist überholt?
Es wird spannend.
Marc